Janine Niklaus-Köhler

IPZV Trainerin A, IPZV API Prüferin, IPZV Sportrichterin, IPZV Hestadagarrichterin

Elke Gundel

USA Aufenthalt

Janine im Cowboy-LookEin Cowboyhut - klar, der musste sein. Westernsattel und Lasso konnte die Bremer Islandpferde-Trainerin Janine Köhler (26) bei ihrem Aufenthalt auf einer Ranch im US-Bundesstaat Wisconsin aber nicht gebrauchen. Denn auf "Winterhorse Park", der Farm von Barbara und Daniel Riva, leben vierbeinige Einwanderer: Etwas kleiner geraten als typische Westernpferde, dafür mit viel Mähne und vier bis fünf Gängen (neben Schritt, Trab und Galopp auch Tölt und Pass) ausgestattet, kurz Islandpferde.

Was bringt eine Islandpferde-Spezialistin ausgerechnet ins Land der Cowboys und Rodeo-Reiter? "Die meisten aus der Islandpferde-Szene, die ins Ausland wollen, gehen nach Island. Das fand ich todlangweilig. Ich wollte etwas anderes machen", sagt die 26-jährige Bremerin, die nun in Bürstel lebt. Dazu kommt: Islandpferdereiterei in Amerika, das ist Pionierarbeit. In dem riesigen Land gibt es derzeit nur etwa 3000 Islandpferde, schätzt Janine Köhler. Zum Vergleich: Nach Angaben des Islandpferde-Reiter und Züchterverbands gibt es in Deutschland zirka 50000 Islandpferde. In den Staaten sei "alles ganz am Anfang, im Aufbau." Auch das reizte die junge Frau. Ebenso, wie das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" kennenzulernen und die Chance, ihr Englisch zu verbessern. "So kann ich nun zweisprachig unterrichten."

Seit etwa drei Jahren bewirtschaftet das Ehepaar Riva die Farm, die etwa auf halbem Weg zwischen Madison und Milwaukee in dem Dorf Eagle liegt. Heute leben auf "Winterhorse Park" 40 bis 50 Isländer. "Die Pferde sind importiert", erzählt Janine Köhler. In diesem Jahr kamen die ersten fünf eigenen Fohlen zur Welt.

Wer sich in den USA ein Islandpferd zulegen will, muss genug Geld haben. "Ein durchschnittliches Freizeitpferd kostet um die 8000 Dollar", sagt Janine Köhler. Für einen solchen Preis könne ein Käufer in Deutschland schon ein Sportpferd erwarten. Folgerichtig waren die amerikanischen Reiter, die die junge Deutsche unterrichtete, zwischen 40 und 50 Jahre alt, standen also bereits mitten im Berufsleben. Wer sein Pferd auf "Winterhorse Park" unterstellt, kommt nicht jeden Tag vorbei. "Dazu ist das Land einfach zu groß. Viele Besitzer leben in Chicago. Die Anfahrt im Auto dauert über zwei Stunden", schildert die 26-Jährige. Also schauten die Besitzer ein bis zweimal im Monat vorbei, blieben dann aber über Nacht. "Das kann man sich hier kaum vorstellen."

Ungewöhnlich waren für Janine Köhler, die seit ihrer Jugend zahlreiche Turniere in Deutschland bestritt, zudem die Wettkämpfe in den Staaten. Turniere nur für Islandpferde gebe es im mittleren Westen der USA nicht, ganz zu schweigen von speziell geschulten Richtern. Stattdessen können die Gangpferde aus Island an den so genannten Shows für US-Gangpferde, etwa Tennessee Walker oder American Saddlebred, teilnehmen. Dort werden die temperamentvollen Isländer dann nach den Kriterien beurteilt, die über Jahrhunderte für die eleganten, hochbeinigen einheimischen Rassen entwickelt wurden.

Janine auf HodurDas Resultat: "Bei der ersten Show habe ich gar nicht kapiert, was von uns verlangt wurde." Janine Köhler zeigte mit dem Viergänger Hodur starkes Tempo Tölt - gut geritten ist das in Europa ein Garant für hohe Noten. Anders in den USA: "Die Richter wollen keine Power sehen, sondern Pleasure." Also dass die Pferde harmonisch und mit einem Lächeln präsentiert werden.

Bei der zweiten Show, an der die 26-Jährige teilnahm, lief es besser. Allerdings erst, nachdem sich Janine Köhler eine Stunde lang auf die Tribüne gesetzt und analysiert hatte, wofür die Richter hohe Noten ziehen. "Danach habe ich die Viergang-, die Fünfgang- und die Töltprüfung gewonnen." Nicht nur, weil sie so freundlich lächelte, aber vermutlich auch deswegen. Außerdem hatte sie ihre Bügel kürzer geschnallt ("Die Saddlebred-Leute reiten mit extrem kurzen Bügeln") ,war leichtgetrabt ("Aussitzen kennen die nicht") und hatte ihre Pferde im ruhigen Tempo vorgestellt.

Alles, was bei Tennessee Walker und American Saddlebred angesagt ist, wollen sich die amerikanischen Islandpferde-Fans aber nicht aneignen. Die Ohren der Pferde auszurasieren und den Schopf abzuschneiden, das kommt für die Isländer, bei denen üppige Mähne und dichter Schweif ein Markenzeichen sind, nicht in Frage. Das macht auch das große Willkommens-Schild von "Winterhorse Park" deutlich, das Janine Köhler neu gestaltet hat: "More hair, more gaits, more fun" (Mehr Haare, mehr Gänge, mehr Spaß).

Spaß gemacht hat der 26-Jährigen der Aufenthalt in Übersee auf jeden Fall - auch wenn sie froh ist "wieder zu Hause zu sein". Ihre nächsten Ziele: Unter anderem will sie eine Richter-Lizenz erwerben und sich zum Gangpferde-Trainer weiterbilden.

Wer mehr über Janine erfahren will, hat dazu im Internet unter der Adresse www.janine-koehler.de Gelegenheit. "Winterhorse Park" ist im weltweiten Netz unter www.winterhorse.com der Adresse zu finden.

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